Traces In Jazz I

aus: CD-Reihe des Fachbereichs Musik, 2008

Bezug via publications@hkb.bfh.ch, CHF 15.– inkl. Versand

Liner Notes
Von Valérie Portmann, Leiterin Studienbereich Jazz

Einige wichtige Kriterien, die den Jazz bis heute definieren, sind die Phänomene des Swing, der funktionalen Harmonik, der strengen Abfolge Thema-Solo-Thema und der damit verbundenen Rollenaufteilung in Solierende und Begleitende. Diese Werte kann man als Einschränkung interpretieren, die die Tradition definiert. Dass diese Werte seit den sechziger Jahren immer wieder phantasievoll gesprengt wurden, zeigt uns die Jazzgeschichte. Als Hochschule, die gleichzeitig als Ort des Experiments und der Traditionsverwaltung funktioniert, befinden wir uns gleichsam in der Mitte. Aufgabe ist die Vermittlung von Grundlagen bei gleichzeitiger Offenheit für das Ungesicherte und Suche nach dem Neuen.

Der hier vorliegende Sampler dokumentiert das Schaffen einer kleinen Anzahl Studierender des Studienbereichs Jazz der Hochschule der Künste Bern der letzten drei Jahre. Die Stücke sind geprägt von hohem handwerklichen Niveau, instrumental wie kompositorisch. Sie zeugen einerseits von intensiver Auseinandersetzung mit Traditionen, andererseits vom Drang nach zeitgenössischen Ausdrucksformen und damit nach eigenständigen ästhetischen Positionen. Einige dieser Projekte, die während der Hochschulzeit entstanden sind, haben sich in der Folge zu festen Bandformationen verdichtet, erhalten internationales Echo in der Presse und sind regelmässig live zu erleben. Andere Studierende sind gefragte Solistinnen und Solisten und üben ihre Konzerttätigkeit in verschiedenen nationalen und internationalen Ensembles aus. Allen ist gemeinsam, dass sie ihren Beruf leidenschaftlich ausüben und nicht aufhören zu fragen, zu forschen, zu experimentieren.

Die Gründung der Swiss Jazz School 1967 in Bern war eine europäische Pioniertat. Zum ersten Mal in Europa wurde Jazz einer Akademisierung für würdig gehalten. Seit 2003 ist die Schule integrierter Bestandteil der Hochschule der Künste Bern und hat sich damit die Gleichstellung mit den bildenden Künsten, dem Theater und der klassischen Musik erlangt. Damit verbunden ist die Verpflichtung, Jazz nicht nur als disziplinäre Kunstgattung zu vermitteln, sondern sich vielmehr zu öffnen für aussereuropäische Musik, freie Improvisation, Crossover aller Arten, elektronische Musik und andere aktuelle Bewegungen. Letztlich geht es also um die Annäherung an die Sprache anderer Künste. Es geht darum, auch diese zu verstehen und sie im eigenen künstlerischen Schaffen zu reflektieren.

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